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Geburtshaus von Komponist Eisler wird gerettet


Geschrieben am 11.09.2016 09:49

Leipzig. Vor mehr als zehn Jahren wäre das Geburtshaus von Hanns Eisler
in Leipzig beinahe abgerissen worden. Seitdem stand der Erhalt mehrfach
auf der Kippe - nun endlich soll es gerettet werden.
Die Firma Treuhand Schwaben hat das Grundstück in der Hofmeisterstraße
14 und auch das Nachbarhaus in der Dohnanyistraße 1 von einem privaten
Vorbesitzer erworben, bestätigte Geschäftsführer Ralph Reitenauer
gegenüber der LVZ.
"Wir haben schon den Bauantrag eingereicht. Die
Vermarktung läuft auf Hochtouren." Für etwa sechs Millionen Euro sollen die
Häuser ab Ende des Jahres denkmalgerecht saniert werden, dabei 28
Eigentumswohnungen entstehen. Das aus Stuttgart stammende
Unternehmen vertrete schwäbische Werte wie Pünktlichkeit und
Sparsamkeit, so Reitenauer. "Unser Ziel ist es, die eigenen vier Wände auch
für Normalverdiener erschwinglich zu machen", sagt er.
Das unweit vom Hauptbahnhof befindliche Haus gilt als der letzte authentisch
erhalten gebliebene Ort für eine Erinnerung an Eisler. Der kettenrauchende
Kommunist war auch Schöpfer der DDR-Nationalhymne, wurde später aber
durch die Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
angefeindet. Er zählt zu den wichtigsten deutschsprachigen Komponisten
des 20. Jahrhunderts.
In Leipzig, wo sich die Stadt gern ihrer Komponisten wie Bach, Mendelssohn,
Schumann, Mahler, Wagner rühmt, wäre das Haus beinahe plattgemacht
worden. Nach der Jahrtausendwende wollte die Kommune dort allen Ernstes
ein Hirschgehege schaffen. Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft
(LWB) beantragte für den Abriss Fördermittel. Nach heftigen Protesten
versteigerte die LWB 2006 die kulturhistorisch wertvolle Immobilie: Für
26.000 Euro erhielt ein ausländischer Käufer den Zuschlag.
Danach wurde das längst leerstehende Gebäude "von einem Spekulanten an
den nächsten" weitergereicht, erinnert sich Bettina Weil vom Vorstand der
Internationalen Hanns-Eisler-Gesellschaft, welche sich stets für den Erhalt
der Hofmeisterstraße 14 einsetzte. Bis die Leipziger Firma Conpartis Real
Estate kam, die gleich nebenan ein großes Wohnungsbauprojekt entwickelt.
Sie habe erstmals ein seriöses Konzept erstellt und dafür den Investor aus
Schwaben begeistern können, frohlockt die Musikwissenschaftlerin. Die
Hanns-Eisler-Gesellschaft steuerte die Idee bei, mit Hilfe einer Stiftung die
authentische Wohnung in Zukunft abwechselnd Künstlern zur Verfügung zu
stellen, die genau wie Eisler politisch verfolgt wurden. Auch die Treuhand
Schwaben kann sich eine solche Lösung "sehr gut vorstellen", erklärt
Reitenauer.

Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2015